Langstreckenreiten Feuerkreis e. V.

                 Rittbericht Hunsrückstafette 2013

Am Start/1. Reittag

Düstere Wetterwarnungen nach nun schon tagelangem Regen schienen vorbeigezogen, denn auf der Hochwaldalm schien die Sonne. Der seit etlichen Jahren konstante  Stamm  war bester Laune. Die Almhütte  bewirtete bis Mitternacht, was aber nicht das Ende  des Rumhockens bedeutete. Der Start war durch rutschige Ausspülungen und  Steinplatten  sehr vorsichtig und  auch der erste gefallene Baum forderte  gemeinsames Handeln, wobei sich eine  losgelassene Stute davon machte.  Bald zeigte sich, dass die gewohnten Banketten neben den befestigten Wegen sich aufgeweicht und tief verändert hatten, so dass zwangsläufig auf  den Schotter ausgewichen werden musste. Frust für den Veranstalter, dessen Prämisse,  ein unbefestigtes Geläuf zu bieten, nur  noch  Restbestände  seiner tagelangen Erkundungen  aufwies. Durch die Regenfälle war die Heuernte verschoben und dadurch auch die Randstreifen nicht gemäht. Die neu entdeckte Traumschleife war daneben ein Geschenk, welches bis zum jetzt abgerissenen Bauscheiderhof  lotste. Hier weigerte sich eine Teilnehmerin eine deutliche Gangbeeinträchtigung zu akzeptieren. Am Stopp Talfang  wurde sie gegen ihre Überzeugung  gestoppt. Kulanter Weise wurde die abendliche Nachuntersuchung  und ein evtl. Neustart eingeräumt. Der Abstieg in das Dhrontal  und die jetzt steinigen, weil freigespülten Talwege, eröffneten eine Zustandstragödige  des Geläufes,  die alle Waldungen betraf. Die Hangwege waren zu Bächen verändert und die Steigungen tief und kraftraubend. Dazu  erwiesen sich die angeblich wasserdichten  Schuhe und  Outdoor Textilien als Flop. Was der noch ausbleibende Regen nicht vollbrachte, besorgten die tiefhängenden Zweige und  in den Weg gewucherten Büsche. Die ersten hörten am Stopp III auf. Man wollte ja alle noch kommenden Tage reiten. Ansonsten  gab es diesmal keine Nachzügler. Die Gruppen lagen nicht weit auseinander. Durch die vorher  durch Internet  verfügbaren Karten und  GPS- Programmierung war eine optimierte Vorbereitung möglich. So zogen die Reiterinnen  sarkastisch über die Hunsrückhöhe -  ohne den Tross, der fast überflüssig war… Pfützen gab es ohne Ende. Kurz vor dem Ziel in Hochscheid  fiel der führende  Araber aufs Karpalgelenk. Im Schritt !

„Miss Marbel“

hatte in ihrer guten Stube  mit Kuchen, Kaffee und Tee  einen  freundlichen  Empfang  bereitet, der  die Gänsehaut wieder glättete. Der Aufforderung des Tierarztes an die besagte Reiterin, die Nachuntersuchung zu absolvieren, entgegnete sie mit der Notwendigkeit  eines anderen Beschlages. Dann  fuhr sie heim. Nachdem 3 Stunden vergangen waren- alle hatten die Nachuntersuchung passiert- gelang eine Handyverbindung. Die Reiterin äußerte, der Tierarzt würde sie sowieso eliminieren und das Reglement verpflichte sie nicht, irgendwann  später das Pferd vorzustellen, dann, wenn sie  neu beschlagen hätte.  Stimmt. Die Androhung mit der Einberufung des Schiedsgerichtes bewirkte dann doch noch die vorgeschriebene Nachuntersuchung. Als diese negativ ausfiel, verlor die Teilnehmerin den sportlichen Anstand mit Ausfällen  gegen den Tierarzt und den Veranstalter. Letzterer sieht sich in der Pflicht,  Frieden und  freundliche Harmonie - trotz sportlicher Konkurrenz- im Camp zu pflegen. Es steht ihm zu, störende  Personen auszuladen. Zum Abend erwachten in der alternativen örtlichen Pizzeria  wieder die Lebensgeister. 

2. Reittag

Im Morgengrauen gingen starke Schauer nieder. Die Wettervorhersagen reichten von Unwetterwarnungen bis Dauerregen. Durch Startverschiebung kamen wir in den vorübergehenden Genuss  im Trockenen zu satteln und auch zu starten. Dann erlebten einige den schrecklichsten Reittag ihres Lebens: schnell durchweichte  Markenjacken, eiskalte  Regenböen  auf den Flächen und den Horror erdrutschartiger  Schlammflächen in den Talschluchten von Dünn - und Baybach. War  die Stopplatz-Auswahl  bislang von Schattensuche bestimmt, muss nunmehr auch nach Windschutz gesucht werden. Die Pferde liefen in Buch  mit schräggehaltenen Köpfen  bei der Gangwerkkontrolle, was kaum eine sichere Beurteilung erlaubte. Wieder erwies sich die Reiterherberge in Schnellbach als  überraschend guter Schutz  durch ein langes arkadenartiges Dach. So konnten zwei Pferde  neu beschlagen werden. Auch heißer Kakao, Kuchen und Milchkaffee weckten Widerstandskräfte. Noch immer lag das Feld dicht beieinander. Zur Freude des Trosses…. kein unendliches Warten auf  Schlusslichter.

3. Reittag

Der Betrieb auf der Hierermühle glich dem einer Großveranstaltung. Die Fahrzeuge nutzten jede feste Fläche um demnächst wieder anfahren zu können. Die  gebuchten Zimmer erhielten eine neue Priorität. Trockenplätze für die Plünnen und Schuhe. Paradiesisch das Etagenbad, nach dessen Frequenz neue Hoffnung und gute Laune  aufkam. Es waren ja morgen nur  50 km. Die Nachrichten meldeten Rekordwasserstände und Einstellung der Schifffahrt. 8 m in Karlsruhe und 11 m in Passau.  Morgens ließ der Regen während des Rittes nach. Vor dem Baybach  hatte die ortskundige Iris einen anderen Weg  gewählt…und stand  vor einem frischgefallenen Baum, vor dem alle Nachfolgenden aufliefen. Damit war quasi die Entscheidung gefallen. Lydia und Thomas hatten Anschluss an die führenden  Helga, Susanne und Sigrid gehalten und  damit einen Vorsprung von mehr als 2 Std. Am Stopp wieder in Schnellbach trafen wir unsern 2. Tierarzt. Er war von einem Virus erwischt, der ihn ganz schrecklich aussehen ließ. Trotzdem hatte er den Termin eingehalten. Hochachtung  aller Teilnehmer ! Da spielt sicher mehr Engagement mit als  die geringe Aufwandentschädigung.

4. Reittag

Der Parkraum in Mannebach war unverhofft durch ein neues Holzheizwerk überbaut worden. Wieder ein neues Problem. Im Ziel war der Park an der Mühle so versumpft, dass der feste Parkplatz, die bessere Lösung war. Er war  dieses Jahr  auch kniehoch überwuchert und bot erstmals reichlich Futter. An dieser letzten Übernachtung ging  an der Theke  lange das Licht nicht aus. Der Wirt meinte, er hätte Geburtstag… Start 7 Uhr zum Schlösschen. Die Strecke wurde noch einmal umgelegt um den Pilzbachbereich und den hochgehenden Liederbach zu  umgehen. Im Hahnenbachtal zeigte sich die Sonne. Man stellte sich die Frage, ob der Isländer  durch den Fluss konnte….es ging. Christine  hatte heiße Linsensuppe, Gnocchi, Nudeln und mehrere Kuchen  aufgetischt, die Sonne heizte jetzt und  die Schrecken des Rittes  begannen sich zum Abenteuer zu verklären. Den BC erhielt unangefochten der 23 jährige Camino. Er war stets gleichbleibend im Befund und an der Spitze. Pfingsten  hatte er schon Platz 2 auf dem 3 Tagesritt Marathon  Nord und hatte nur knapp den BC  verfehlt. Ein bewundernswerter Veteran !   (bert Fichtel)